Bis nach dem Ersten Weltkrieg unterstand das Gebiet des heutigen Saarlandes der Herrschaft von Preußen, Bayern und Oldenburg. Dies hatte regionale Unterschiede in der Schulorganisation und den Lehrplänen zur Folge.
Erst nach dem 1. Weltkrieg wurde unser Land etwa in den Grenzen von heute (aber ohne den Schwarzwälder Hochwald und den
nördlichen Saargau) erstmals als Einheit definiert. Im Versailler Vertrag (1919) wurde diese Neubildung als
Saarbecken oder Saarbeckengebiet bezeichnet (an einigen Stellen auch als
Saargebiet) und dessen Abtrennung von Deutschland für die nächsten 15 Jahre (1920 bis 1935) verfügt. Die Ausbeutung seiner Steinkohlenbergwerke wurde Frankreich als Reparationsleistung
zugestanden. Bei den Übergabeverhandlungen über die Gruben im Juli/August 1919 sprachen der französische Verhandlungsführer Defline und
Konsul Mudra von der deutschen Delegation mehrfach vom Saarstaat. Um die Besitzrechte der preußischen Beamten gegenüber der neuen französischen Grubenverwaltung geltend zu machen, bildete sich sogar ein
"Bund staatlicher Bergbeamten im Saarstaat". Wenn die Franzosen auch die gesamte Verwaltung des Landes übernommen hätten, wäre der Name Saarstaat möglicherweise offiziell
geworden. Die Regierung des Saarbeckengebiets wurde aber einer Kommission anvertraut, die den Völkerbund
vertrat, und diese entschied sich für die Bezeichnung Saargebiet. (Text: Rainer Freyer)
Eine Besonderheit im Schulwesen des Saargebietes bildeten die Domanialschulen. Im Saarstatut des Versailler Vertrages war Frankreich eingeräumt worden, für die
Bediensteten der Gruben eigene Schulen mit eigenen Bildungsplänen einzurichten. Bis 1925 wurden über zwanzig solcher Schulen vor allem in Orten mit großer bergmännischer Bevölkerung gegründet;
sie waren gut ausgestattet und gewährten Lehrmittelfreiheit. An ihnen entzündete sich eine Art "Schulkampf", da sie von den saarländischen Parteien und breiten Teilen der Bevölkerung als Versuch
Frankreichs gewertet wurden, das Gebiet kulturell zu beeinflussen und einen Anschluß an Frankreich vorzubereiten. (Text: Schulmuseum)
Am 30. Januar 1935 wurde es an
das Deutsche Reich Hitlers angeschlossen und gemäß dem "Gesetz über die vorläufige Wehrverwaltung des Saarlandes" offiziell als Saarland bezeichnet. Bald darauf erfolgte seine
Vereinigung mit der Pfalz zum Gau Saarpfalz der NSDAP. Ab 1940 bildeten das Saarland, die Pfalz und Deutschlothringen (Département Moselle) den Gau
Westmark, dessen
Verwaltungssitz Saarbrücken war. (Text: Rainer Freyer)
Nach dem 2. Weltkieg verwendete man die Begriffe Saarland und Saargebiet zunächst
nebeneinander, bis mit der Verabschiedung der saarländischen Verfassung (am 8.11.1947) der Name Saarland wieder offiziell eingeführt wurde. In der
Bundesrepublik wurde diese Bezeichnung für unser Land jedoch strikt gemieden: Die Politiker, aber auch die meisten Menschen auf der Straße, verwendeten dort fast ausschließlich den früheren
Ausdruck Saargebiet, um zu demonstrieren, dass man die Autonomie des Saarlands und damit die Trennung von Deutschland nicht anerkannte. - Heute werden für diesen Zeitabschnitt gerne auch
Namen wie JoHo-Saarland oder Saarland der Frankenzeit und auch wieder der Begriff Saarstaat verwendet. Siehe auch:
www.saar-nostalgie.de