Das Klassenzimmer der ersten Jahrhunderthälfte hatte, bei allen Unterschieden zwischen Gymnasium und Volksschule oder der Stadt- und
Landschulen, einen bestimmten Typus ausgeprägt, der sich im Klassenraum des Museums widerspiegelt. Charakteristisch sind der geölte Holzfußboden, der abwaschbare Sockelanstrich, das Pult auf dem
Podest, der Klassenschrank, die zusammengeschraubte Reihe der Zweierbänke und die Grundausstattung mit Gerät und Medien. Grundlagen dieses Standards waren die ministeriellen Richtlinien und die
herrschenden didaktischen Prinzipien. Die dominierende Unterrichtsform war der Frontalunterricht: Nicht selten saßen 60 Schüler hintereinander aufgereiht dem Lehrer gegenüber, nach dem Grundsatz,
dass er möglichst von allen gesehen werden sollte und möglichst selbst alle sehen konnte. Durch reformpädagogische Strömungen ab der Jahrhundertwende wurden u.a. die Prinzipien der
Anschaulichkeit und der Eigentätigkeit im Unterricht betont: dies führte zu einer verstärkten Ausstattung der Klassenräume mit Anschauungshilfen wie Sandkasten, Wandbildern, Lese- und
Rechenhilfen und später auch Projektoren.
Während die Schulbänke anfangs in handwerklicher Arbeit vom örtlichen Schreiner angefertigt wurden, entwickelte sich in der 2. Hälfte des 19. Jahrhunderts eine überregionale Schulmöbelindustrie. Die Modellpalette war recht vielfältig: von der Einzelbank bis zur vier- oder fünfsitzigen Bank, mit zurückklappbaren Sitzen oder klappbaren Schreibflächen. Auch wenn in Volksschulen bis nach dem Zweiten Weltkrieg aus Kostengründen Langbänke in Gebrauch waren, hatten sich Zweierbänke weitgehend durchgesetzt. Einige der ausgestellten Bänke stammen aus saarländischer Schulmöbelproduktion.
Die Lesemaschine oder der "Setzkasten" zum Zusammensetzen von Silben, Wörtern oder Sätzchen aus Buchstabentafeln stand in unterschiedlichsten Formen in Grundschulklassen. Mit Hilfe dieses Gerätes konnten - für alle sichtbar - Wortauf- und -abbauübungen durchgeführt werden.
Das Harmonium diente nicht nur dem Musikunterricht. In Dörfern mit Gemeinden ohne eigene Kirche war die Konfessionsschule oft auch der Ort für Gottesdienste und Andachten. Meist spielte dazu der Lehrer das Harmonium.