Nierstein, 1.3.2026
Es passte so gar nicht zum ersten warmen und sonnigen Sonntag in diesem Jahr, was ich auf einer Veranstaltung in Nierstein erlebt habe – denn noch bevor sie richtig angefangen hatte, war ich schon wieder zuhause. Was war geschehen?
Vor ein paar Tagen las ich in der Zeitung von der Ankündigung einer Podiumsdiskussion in Nierstein – „Nierstein gegen Rechtsextremismus“ lud ein zum „2. Marktplatz für Demokratie“. Im Sirona-Saal waren etwa 20 Stände unterschiedlicher Institutionen, Vereine und Parteien aufgebaut.
Für 15 Uhr war eine Podiumsdiskussion, moderiert von Frank Schmidt-Wyk geplant, den ich bereits von einem gemeinsamen Krankenhausaufenthalt her kannte. Auf dem Podium saßen: Kathrin Anklam-Rapp (SPD), Rebecca Ruppert (Linke), Pia Schellhammer (Grüne) und Ulrike van Weelden (FDP).
Die Gäste der Veranstaltung wurden im Eingangsbereich dazu eingeladen, kleine Bälle auf Glasgefäße zu verteilen, um dadurch ein Stimmungsbild zu erzeugen. Das fand ich interessant – das hatte sich bestimmt ein Pädagoge initiiert. Hierbei ging es u.a. um die Mitgliedschaft in einer Partei, in einer ehrenamtlichen Organisation u.a.
Nachdem ich diese Aufgabe erledigt und die im Raum verteilten Glasgefäße gefunden hatte, begann ich, mir die Stände anzusehen und Aushänge zu fotografieren. Angesichts der stickigen Luft im schummrigen Raum spielte ich kurz mit dem Gedanken, eigeninitiativ die Fenster zu öffnen – die erwartete Gästezahl stand in keinem guten Verhältnis zur Frischluft.
Nun begab es sich aber so, dass ich von einer kleinen Frau auf eine recht aufdringliche und körperlich distanzlose Art und Weise angesprochen und gefragt wurde, was ich denn hier mache. Während ich ihr mein Anliegen schilderte, wurde noch eine zweite Frau hinzugerufen, die explizit als Zeugin fungieren sollte. Spätestens ab diesem Moment dachte ich mir: „Bin ich hier im falschen Film?“
Sodann wurde meine Visitenkarte eingehend geprüft und meinen Erläuterungen zu meiner Publikationsabsicht wurde kein Glaube geschenkt und so fragte ich dann meinerseits, um was es der Frau denn überhaupt geht. Sie meinte dann, dass sie mich hier nicht kennen und mir daher nicht trauen könnten dahingehend, Fotos und Textmaterial dem entgegengesetzten Spektrum zuzutragen.
Als die Katze umständlich und langwierig aus dem Sack gelassen wurde, fragte man mich direkt: „Sind Sie von der AFD?“ Da ich bereits beim Verneinen spürte, dass jede weitere Erklärung zwecklos sein würde, verließ ich die Veranstaltung.
Im Nachhinein ärgert es mich nun tatsächlich auch, dass ich für diese Veranstaltung im Freundes- und Bekanntenkreis Werbung gemacht habe. Und dem Instagram-Account wurde natürlich auch stante pedem entfolgt.
Außerdem hätte ich mich noch gerne mehr am Stand von Volt erkundigt und den Stand des Geschichtsvereins Nierstein aufgesucht.
Den restlichen sonnigen Nachmittag verbrachte ich in der Halle in Bodenheim und nutzte die guten Lichtverhältnisse, um das Heimspiel der Handball-Herren gegen die TG Waldsee zu fotografieren.
Dabei stellte ich mir die Frage, ob der Einsatz für Demokratie und gegen Rechtsextremismus tatsächlich Menschen überlassen bleiben sollte, die anderen mit Misstrauen begegnen, noch bevor ein Gespräch begonnen hat.
