"So soll das sein."

Fahrt nach Jena und Sachsen (Zwickau, Leipzig) Ende Januar und Anfang Februar 2026.

Jena

31.1.2026 - Hinfahrt

 

Die Erzählung von dieser Tour muss leider, aber notweniger Weise mit der Schilderung des Bahnchaos beginnen, das zu dieser Zeit rund um Mainz vorherrschte:

Mein Zug in Bodenheim, von Worms kommend, kam zwar pünktlich an – er fuhr aber verspätet ab, weil der entgegenkommende Zug abgewartet werden muss. Demnach war die Strecke nur eingleisig befahrbar.

Ein ganz in Kamelfarbe gekleideter, kleiner und stämmiger Mann kam nach einiger Zeit entrüstet nach vorne zum Zugführer und mahnte an, dass er in zehn Minuten in Mainz zu sein habe. Woraufhin ihm der Fahrer ruhig und besonnen die Lage erklärte.

Die Bahn endete in Mainz, statt wie angekündigt in Wiesbaden. Schon verrückt, wenn man von Bodenheim nach Frankfurt will und über Wiesbaden fahren muss.

Aber nun entschied sich die Bahn-App, angesichts der Verspätung, mir eine Alternative aufzuzeigen: Vom Römischen Theater per Bus (Ersatzverkehr) nach Kastel. Und vor dem Bahnhof Römisches Theater wartete ich dann in recht dreckigem Ambiente am frühen Samstagmorgen. Als schwarz zu blau wurde, saß im Bereich des cinestars noch ein Mann vor einem Laden an einem Tisch auf einem Hocker – vermutlich fand er in der zurückliegenden Nacht keinen Schlaf – und führte auf Arabisch und gestenreich eine augenscheinlich langwierige Diskussion mit seinem imaginären Gegenüber.

Nun denn, der Bus nach Kastel kam. Dort war wieder ein längeres Warten angesagt, bis die Bahn der Firma VIA von Wiesbaden her kam. Hier war naturgemäß etwas mehr Betrieb, mehr Menschen wollten von A nach B. Die Aussicht auf Dreck, Müll und Ruinen war aber nicht berauschend und daran änderten auch die schönen Graffitis nichts.

In der Bahn, das möchte ich noch erzählen, saß eine ältere Frau mit buntem Tuch in den Haaren, Rasta-Frisur und einem Button an der Jacke, der sie als „Oma gegen rechts“ auswies.

In Frankfurt verlief der Umstieg vorbildlich. Kurios war nur die intensive Wimpernpflege einer Reisenden am Bahnsteig.

Während ich im Express nach Bad Hersfeld dieses Erlebte soweit notierte, schockierte mich der Blick in die vorbeifliegende Landschaft: Spätestens ab Offenbach wurde es weiß. Und ich wusste: Ich habe die falsche Schuhwahl getroffen.

Umstiege in Bad Hersfeld – Bebra – Gotha. Hier skuril: Im unsanierten DDR-Charme zeigte sich mir das Bahnhofsgebäude inklusive seines blau-weiß gemusterten Bodenbelags. Ich stapfte durch den Schnee, um die Umsteigezeit fotografisch zu nutzen; Fotos vor dem Bahnhof, vom Bahnhofsgebäude, die alte gelbe Straßenbahn, vielmehr eine Tram (Duewag GT8NF, frühe 60er-Jahre, aus Mannheim).

Die letzte Etappe: Von Gotha bis Jena (West). Es war wie ein Orientexpress – aber dieselbtrieben. Die Mischung aus Pakistani, Somalier und osteuropäisch-kaukasischen Gesichter stieg in Erfurt aus.

Vom Bahnhof Jena (West) kommend überquerte ich während der knapp bemessenen Sonnenstunden in diesen Tagen die Saale, durchquerte das Paradies, um das Akademie-Hotel zu erreichen. Ob es bereits das sechste, oder siebte Mal war, dass ich mich hier einquartiere?

Hotel-Bezug, per Straßenbahn in die Innenstadt und kurzer Bummel dortselbst. Alles beim Alten.

15:30 Bundesliga-Konferenz in zentraler Lage im Cheers. Als der Koch sich mit einem Hamburger an die Theke setzte, da dachte ich mir, dass hier das Essen gut sein muss – wenn eben der Koch selbst auch das von ihm Zubereite isst. In der zweiten Halbzeit gönnte ich mir zu einem zweiten Weizenbier aus Apolda den sog. Big Mountain Burger. Er war sehr lecker, nur waren mir, wie so oft, die Pommes zu gering in der Anzahl. Aber danke – war gut hier – komme wieder!

Wie das aber leider auch immer so ist im Norden und Osten der Republik: Es wird früher dunkel, als man das gewohnt ist. Um 5 Uhr war die Sonne weg.

Nach einer weiteren Bummelei durch die Innenstadt und Ladenpassagen fuhr ich mit der Straßenbahn zurück. Es wurde mir auch einfach zu kalt – während vor mir Mädchen ohne Jacken durch die Straßen liefen.

 

Im Hotel: Doku auf arte über Nuraghe – bronzezeitliche Steintürme der Nuraghenkultur auf Sardinien. Und: 1. FC Kaiserslautern 1:3 Spvgg. Elversberg – tolles Spiel in der 2. Liga. In Erinnerung bleibt eine gelbe Karte für Elversberg, die es wohl nur unter dem Eindruck von Betzenberg-Atmosphäre für eine Gastmannschaft geben kann.

Alle weiteren Fotos aus Jena befinden sich hier.

Zwickau
Zwickau

2. Tage, 1.2.2026 Zwickau

 

Über Nacht kam der Februar 2026. Und diese Nacht war soweit ok, habe relativ gut geschlafen dank mitgebrachter Dinkelkissen. Üppiges Frühstück um 8 Uhr, üppig die Marschverpflegung wie gewohnt zusammengestellt und dann ging ich wieder durchs Paradies; ich überquerte die Saale und wartete auf die Dieselbahn im Bahnhof Jena (West). Ziel: Zwickau. Umstieg: Lehndorf. Lehndorf? Ja, das muss wohl irgendwie auch außerplanmäßig der Fall gewesen sein. Denn: Hier stand man buchstäblich im Nichts – nur der Bahnsteig, ein verlassenes Bahnhofsgebäude und das Ende des Ortes. Aber immerhin war auch ein nervöser Mitreisender zu sehen, der ebenso ungläubig angesichts der Umsteigesituation wirkte. Als ich diese Zeilen schreibe, habe ich mir den Ort mittels google maps angeschaut. Er liegt kurz vor und südlich von Altenburg.

Nun gut. Die Bahn kam, der Umstieg glückte wie geplant.

Während die Bahn den Ort Gösswitz und die große Ruine eines verlassenes Malzwerks passierte, fiel mir auf, dass hier in jeder Bahn auch stante pedem ein Schaffner kommt. „So soll das auch sein.“, wurde mir von einem solchen dann auch prompt bescheinigt.

So, nun kam ich in Zwickau an. Bahnhof und Vorplatz des selbigen, abseits des Stadtzentrums, vermitteln in jedem Fall noch DDR-Erinnerungen. Schöne Schalterhalle – hoffe sie bleibt noch lange so.

Etwas um die Ecke liegend führt die Bahnhofsstraße bergab ins Stadtzentrum. Ich ging zum Hauptfriedhof. So weit so gut hier, große Anlage, mit alten Gräbern - aber nur noch spärlich belegt – dadurch große Lücken, viel freie Fläche.

Anschließend: Besuch im Horch-Museum in Zwickau. Viel Betrieb am Sonntag, die Investition von 15 Euro in den Eintritt lohnten sich. Vor mir nannten Eltern das Alter der Töchter und zeigten deren Schülerausweise vor – in der Hoffnung auf Rabatt. Als ich an der Reihe war, nannte ich auch mein Alter – „Ja. Schön. Sie müssen aber trotzdem den vollen Preis zahlen.“

Das Horch-Museum in Zwickau ist didaktisch ansprechend aufgebaut, selbstredend sind die Exponate toll. Besonders schön fand ich hier die Thematisierung der Historie von Tankstellen und das Ausstellen historischer Fahrzeuge vor pseudo-historischen Hintergründen. Diese allerdings entsprechend fotografisch in Szene zu setzen war dann aber doch oftmals nicht einfach.

Weiter ging der google maps-gelenkte Marsch durch die Stadt bis hin zum Pölbitzer- und dem danebenliegenden jüdischen Friedhof von Zwickau. Beide liegen jenseits der Zwickauer Mulde im Bereich der Thurmer Straße - damit offenbar auch jenseits des Stadtteils Pölbitz. (Interessant zu wissen: Pölbitz wurde 1895 zu Zwickau eingemeindet – so früh wie kein anderer Ort von hier.)

Zum Pölbitzer Friedhof möchte ich hinzufügen, dass hier ein Grab im Besonderen zu den Highlights des Tages beigetragen hat – besser gesagt ein Spruch auf diesem Familiengrab. Er lautet wie folgt: „Oben glänzt nach Sturm und Not des besseren Lebens Morgenrot.“

Nach diesem schneebedeckten Friedhof fotografierte ich noch von der Straße aus den nahen jüdischen Friedhof – der leider abgesperrt war. Weniger schön in Erinnerung blieb der maps-gelenkte Marsch zurück in die Innenstadt entlang einer stark befahrenen Schnellstraße. Immerhin gab es einen Bürgersteig.

Ich hatte mich im Zentrum nur kurz, insbesondere im Bereich der Katharinenkirche und des zentralen Platzes fotografisch umgesehen. Als ich mich wieder in der Bahnhofsstraße auf dem Weg zu selbigem zurück befand, da entdeckte ich ein offenes Haus. Auf dem Hinweg hatte ich hier keine offene Tür bemerkt. Nun stand ich aber flugs im Inneren und fotografierte den lost place im Rahmen der noch zur Verfügung stehenden Zeit.

Die Rückfahrt ab Zwickau war um 16:45, es wurde bereits dunkel – vielleicht komme ich mal wieder. Wieder Umsteigen in Lehndorf. Nun war etwas mehr Betrieb, ich vermute es warteten hier am Bahnsteig mehr Reisende auf den Dieselzug in Richtung Jena / Erfurt, als das Dorf Einwohner hat. In Jena-Göschwitz stieg ich aus, in Burgau stieg ich um und am Sportforum war ich am Ziel. Aber nur, um im Hotel meine Badesachen zu holen und auf gleichem Weg zurück zur Haltestelle Burgau zu fahren. Von hier kam ich nach ein paar Minuten zu Fuß (zweimal verlaufen) zum Galaxsea, zahlt 24 Euro für zwei Stunden Sauna und saß dann mit den nackten Ostdeutschen pünktlich um 20 Uhr zum Aufguss bereit. Anschließend stand im Außenbereich Salz für ein Salz-Peeling bereit und die nackten Frauen von Jena rieben sich damit ordentlich ein.

Der Saunameister war hier eine Art Wikinger, groß, muskulös, blond-rothaarig und in einer Art Kilt gekleidet. Zum zweiten Aufguss um 21 Uhr wedelte der Wikinger nicht nur mit dem Handtuch, sondern auch mit einem Segel. Die Zeit zwischen den Aufgüssen verbrachte ich in der Dampfsauna.

Um 22 Uhr war ich zurück im Hotel und betrachtete die Reste meiner Tagesverpflegung, immerhin noch zwei üppig belegte Brötchen und ein Ei, als Abendessen.

 

Unter dem Eindruck eines, wenn auch nicht allzu intensiven Saunabesuchs, wechselte ich den Bewusstseinszustand.

Alle weiteren Fotos aus Zwickau befinden sich hier.

2.2.2026 – Fahrt nach Leipzig

 

Die Straßenbahn streikt. Nun denn: Zu Fuß zum Paradies-Bahnhof und über Naumburg nach Leipzig.

Hier war es nun wirklich kalt, auf den freien Flächen lag der Schnee, hin und wieder Glätte. Ich ging vom Bahnhof zum alten jüdischen Friedhof Berliner Straße 123. Ich empfand ihn als sehr, sehr groß, aber wie gesagt: auf freien Flächen, so auch hier, lag nun mal der Schnee. Fast ausschließlich mit der Telebrennweite ging ich fotografierend bis zum Ende und wieder zurück.

Nebenan: Der Nordfriedhof. Ein Mitarbeiter sprach mich an. Angeregte Diskussion um Bildrechte. Finale Bitte: Keine lebenden Personen fotografieren.

Als ob ich wegen lebenden Personen auf dem Friedhof wäre.

Ich blieb auf der Hauptachse und verließ den Friedhof wieder am gegenüberliegenden Ende durch ein Drehkreuz. Ein kleines Highlight war der Grabstein mit dem Vornamen Sigrun.

Der folgende lange Marsch hatte den neuen jüdischen Friedhof in Leipzig zum Ziel. Verrückter Weise kam mir hier ein Ostjunge im T-Shirt entgegen. Es waren -5° - gefühlt durch Wind noch weniger.

Unter dem Eindruck dieser Witterung musste ich auch den Besuch auf dem jüdischen Friedhof kurz halten. Meinen Händen und ihren Fingern war er zu kalt. Dadurch bekam ich aber auch eine Bahn vor dem Klinikum St. Georg in die Stadt zurück. Diese führte mich dann nicht dorthin, wohin ich wollte (Völkerschlachtdenkmal), sondern endete vor dem Red-Bull-Stadion in Leipzig. Das Denkmal war mir dann auch egal, ich kehrte mit der nächsten Bahn zurück in den Bereich der Innenstadt und suchte noch aktuelle wie vergangene Synagogen und deren Denkmäler auf.

Schließlich gelang ich, auf dem Weg zum Hauptbahnhof, noch in die City. Hier war ich insbesondere von der Katharinenkirche enttäuscht: Fotografieren nicht erlaubt. Wenn man doch fotografieren will: Gegen eine Gebühr von 2 Euro möglich. Aber: Fotos dürfen nicht online gestellt werden. Was ein Scheiß! Wenn Jesus das wüsste. Schämt euch!

Der Hauptbahnhof in Leipzig ist übrigens mehr ein Shoppingcenter mit sehr hoher Halle und einem Gleisanschluss. Und über Naumburg, arschkalter Umstieg dort, fuhr ich zurück ins Paradies.

Heute war ja Montag, demnach gab es ab 18 Uhr Abendessen im Hotel. Den Rotkohl roch man bereits, sobald die sich automatisch öffnende Tür den Eintritt ins Hotel freigab. Was gab es dazu? Putenrollbraten, Spätzle, Salat. Ich langte wie gewohnt ordentlich zu.

 

Nachtisch nicht zu vergessen: Vanillesoße auf Himbeeren im Gläschen. 2x für mich.

Alle weiteren Fotos aus Leipzig befinden sich hier.

3.2.3026 – der Tag der Rückfahrt

 

Ich wollte mal probieren, mit der Straßenbahn nach Göschwitz zu fahren und dort in den Dieselzug nach Erfurt umzusteigen (statt in Jena-West). Nun, die Bahn war verspätet, der Umstieg wurde sehr knapp und ich rannte. Treppe runter, Treppe rauf. Der Schaffner winkte mir mit seiner Kelle, hielt mir die Tür auf. Danke dafür, sehr freundlich!

Umstieg in Erfurt, Umstieg in Bamberg. Von dort drei Stunden im Main-Spessart-Express bis Frankfurt. Am Main,  noch vor Hanau: Schnee, Schnee, Schnee – der liegen blieb. Oh weh.

 Von Frankfurt sollte mich ein Express (nach Mannheim) von Gleis 1a nach Mainz bringen. War aber nicht. Nächster Zug: Von Gleis 19 über Hochheim nach Mainz. Hier empfing mich das Chaos: Es fielen die Bahnen Richtung Worms und Mannheim aus. Etwa zwei Stunden habe ich gewartet, bis wieder eine Bahn fuhr. Lag es am Schnee? Oder an Bauarbeiten?